Waldviertler_Nachhaltige Schuhe

Als Österreicher ist es schwer, beim Thema „heimische Produktion“ gerade im Bereich der Mode/Kleidung, nicht an Waldviertler Schuhe zu denken. Sie sind der Inbegriff des alternativen Konsums geworden – zumindest im großstädtischen Wiener Bereich. Im Waldviertel sind sie eben „die Schuhe“ geworden, denn Heini Staudinger ist einer von ihnen: ein Mann mit Ideen und Umsetzungswillen, gegen Hindernisse, welcher Art auch immer.

Aber was genau ist das mit den Waldviertler Schuhen? Nun, mittlerweile hatte ich selbst ein paar Paar an den Füßen und sie sind auf unterschiedliche Arten gut.

Warm und Wärmer

Die gefütterten knöchelhohen „Eisbären“ sind DIE Schuhe für kalte Tage – also alles unter -10 Grad oder mit langen Aufenthalten im Freien oder auf kalten Böden (Konzert in der Kirche). Sie halten unglaublich warm und sind die Lösung für alle, die im Winter mit kalten Füssen kämpfen.

Für 0 bis -10 Grad greife ich gerne zu den „Jaga“, einem Boot, der mit dicken Leder überzeugt. Durch den geräumigen Raum sind sie auch bequem für längere Spaziergänge und Wanderungen durch Stadt und Wald.

Beide Modelle sind super robust, so mache ich mir kaum Sorgen über Nässe, Schnee und Matsch. Einzig die Profilsohlen sind manchmal etwas nervig – so bleiben die Splittersteinchen gerne darin hängen und sie neigen auf feuchtem Laub zu rutschigem Gleiten. Aber diese Nachteile sind gottseidank nur selten zu bemerken, die Vorteile überwiegen bei weitem!

Halber Schuh, ganze Wirkung

Bei winterlichen Aufenthalten in Räumen und Gebäuden greife ich gerne zum Kommod Flex. Er hat die dicke Sohle für die Wege im Freien aber als Halbschuh nicht ganz so warm und schweißtreibend wie die beiden genannten Modelle.

Ich hatte auch mal den sportlichen Königsadler, der sagte mir persönlich eher weniger zu. Für einen Sportschuh fehlt die dämpfende Sohle und für einen klassischen Halbschuh fehlt das schlanke Design.

Für Sommertage auf der Terrasse kommt der Kommod Classic zum Tragen. Er besticht durch leichteres Leder, einen bequemen Ein-/Ausstieg und einer leichten Sohle. Schnell rein und raus in die Sonne. So einfach kann Schuhleben sein.

Überlegungen

Ich liebe die gute Verarbeitung und das qualitativ hochwertige Leder. Auch die Idee, jede Saison andere Farben zu verwenden ist einfach großartig. Kann man Waldviertler ein Leben lang tragen? Klar kann man – die Sohlen sind einfach ersetzbar, die Innensohlen detto und die Konstruktion ist tausendfach bewährt und getestet.

Warum ich nicht nur Waldviertler trage ist ebenso einfach erklärt, wie die guten Gründe, es eigentlich zu tun. Die Form ist einzigartig, wiedererkennbar und das Markenzeichen schlechthin. Aber sie ist auch etwas grob und durch die Verknüpfung mit der Marke nicht einfach zu ändern. Damit wird die Form mit dem dritten Paar Schuhe in der Kommode schon fad, uninteressant und langweilig. Ich hingegen liebe dann doch die Abwechslung zu sehr.

Aber jede/jeder sollte mal ein Paar getragen haben und damit hast du ein Teil für die nächsten 10 Jahre zu Hause. Gemacht in Österreich, von Menschen, die hier leben und einen Job haben. Das alleine macht den Preis schon unheimlich günstig, nicht billig. Denn billig sind die Waldviertler auf keinen Fall.

Bezugsquellen:
Am besten in einen der vielen GEA Shops schauen, probieren, gustieren und mitnehmen. Oder in Schrems direkt eine Führung machen und in der Jurte aus einen riesen Auswahl die Qual der Wahl haben.
Es gibt natürlich einen Online Shop, aber erstens werden die Bilder (pro Modell meistens nur eines) den Produkten nicht gerecht und zweitens ist dieser nur in deutsch verfügbar. Das beschneidet einen Online Shop irgendwie zu viel, denn der Vorteil von Webseiten ist die globale Erreichbarkeit. Aber damit hats der Heini wohl eher nicht so sehr 🙂 Gut so.

Erlich_Nachhaltige Basics

Da musste ich doch mal in meinem Email Postfach nachsehen, wann ich die Boxershorts von erlich bestellte. Wow, doch schon 3 Jahre her, wie die Zeit vergeht. Es war das Modell Gustav, das ich ausprobieren wollte, denn schon der Zugang von erlich zu Mode ist mir sofort ins Auge gestochen:

gustav im 3er pack
(c) erlich webseite

Wir versprechen dir, dass wir immer auf höchste Sozialstandards, Transparenz, fairen Handel, kurze Lieferwege und den schonenden Umgang mit den Ressourcen unseres Planeten achten. Wann immer wir eine Möglichkeit sehen, die Dinge anders und besser zu machen, werden wir das tun. Für dein und für unser Wohlfühlgefühl.

https://erlich-textil.de/unser-versprechen

Das überzeugte mich, den Produkten dieser doch noch recht jungen Marke das Vertrauen zu schenken. Vor allem, da sie preislich im „normalen“ Rahmen bleiben: Gustav z.B. kostete damals wie heute 44.95,- für 3 Stück. Wenn ich das mit anderen Boxershorts vergleiche, kommt das wirklich günstig: eine 3er Packung von Resteröds landen bei 39.95, sind zwar aus Bio Baumwolle, werden allerdings in China gefertigt. Fünf Euro mehr für europäische Produktion? Bin dabei.

Mittlerweile hat sich das Sortiment in alle möglichen Richtungen erweitert – Kinder, Badewäsche, Bettgewand und Handtücher, alles kann online geordert werden. Was mich wie die Qualität, die Versprechen und Auswahl von lokalen Partnern beeindruckt, ist die Vielfalt der Menschen, die auf erlichs Instagram Account in Erscheinung treten:

(c) Instagram Account von erlich

Natürlich können das Models sein, die gebucht wurden, es könnten auch Kundinnen und Kunden sein, die auch unter „von Euch“ zu finden sind.

Zurück zu Gustav – es sind klassische Boxershort, für mich ist die Standardgröße L absolut passend (sind also eher normal geschnitten) und eher auf der dünneren Seite. Im Unterschied zu hemen oder white briefs sind sie für engere Hosen also perfekt. Auch wenn manche Rückmeldungen von Kunden anderes sagen, bei mir rollen auch die Beine nicht nach oben.

Bezugsquellen: Wie viele andere neue nachhaltige Labels sind auch die Produkte von erlich nur online im Webshop erhältlich.

Tellason_Nachhaltige Jeans

(C) Tellason Instagram Account

Bei meinem USA Aufenthalt in Californien besuchte ich mehrere Shops, die „Heritage“ bzw. „Union made“ Kleidung führten. Das Erlebnis in diesen Läden ist immer etwas besonderes, da es nicht nur um das Produkt selbst geht, sondern auch um den Lifestyle und noch mehr – um die Geschichten rund um die angebotenen Waren.

Tellason ist eine Marke, die ich gezielt in San Francisco suchte, denn die Jeans von Tellason werden genau dort gemacht. In San Francisco, der Heimat der Jeans, das Zentrum von Levis und der Goldgräber, die diese robusten Hosen zu dem machten, was sie heute sind: ein Erbstück der US amerikanischen Kultur und mittlerweile ein unabdingbarer Teil der westlichen Mode. Tellason selbst geht aber noch einen Schritt weiter. Levis, die Massenmoden Marke fertigt schon lange nicht mehr in der Valencia Street in SF sondern outgesourced in allen möglichen Teilen der Welt. Die Jungs und Mädels von Tellason hingegen sind stolz auf die Historie in der Bay und verwenden tatsächlich nur „made in USA“ Knöpfe, Garne, Patches und natürlich Denim.

Gerade die Schliessung der Cone Mills White Oak Weberei – eine der letzten großen Denim Hersteller der USA – hat sie recht getroffen, wie sie selbst schreiben:

When our friend and manager of the Cone Mills office in San Francisco called on the morning of October 18 and asked us if we were sitting down, we knew what he was going to say. The big surprise came a few months ago when we learned that we were the fourth largest customer at White Oak. We thought: „if this is the case, where are the big brands?“ Of course, we all know where they are — chasing down the lowest cost production around the globe to satisfy the demands of their customers — who care about quantity over quality, price over provenance.

Tellason Blog

Aber das Leben geht weiter und die Challenges werden nicht kleiner. Tellason sucht immer wieder neue Wege und Möglichkeiten, ihren Beitrag zu einer nachhaltigeren Welt zu leisten: Faribault Woolen Mill liefert weiterhin Stoffe, die „made in USA“ sind und gemeinsam schafft man neue Produkte wie Denim Hemden aus recycelten Stoffen.

(c) Tellason Instagram Account

Mein Modell ist aus der Sheffield Reihe, eine gerade geschnittene Jeans aus Denim von Cone Mills White Oak. Die Größe ist eine Spur kleiner als sonst (33 statt 34) und sie passte von Anfang an super bequem. Ich erinnere mich, im Laden unterschiedliche Jeans von anderen Herstellern probiert zu haben, aber die Tellason war so eine „reinschlüpfen, passt, nehme ich“ Geschichte. Seitdem habe ich sie regelmäßig an, trage sie jedoch nicht ständig. Darum ist das Fading auch noch nicht in einem erwähnenswerten Status angekommen. Aber das wird noch.

Bezugsquellen:
Laut Homepage und sonstiger Recherche gibt es einen Laden in Österreich, der Tellason Produkte führt: Haffton Clothing in Salzburg. Deutschland ist da wieder mal etwas besser aufgestellt – es gibt viele Optionen in diversen Städten, persönlich empfehlen kann ich den Riders Room und Thomas-I-Punkt in Hamburg sowie Burg und Schild in Berlin. Auch der Stilkontor in Leipzig sollte dir eine Tellason Jeans zum probieren geben können.
Online kann ich wie so oft Cultizm.com empfehlen, da spart man sich auch die Import Troubles wenn man im offiziellen Webshop der Marke einkaufen geht.

Wijld_Nachhaltige Basics

Es war Sommer 2016 als ich die Kickstarter Kampagne eines interessanten Projektes entdeckte – Woodshirt, ein T-Shirt, das aus Bäumen gemacht werden sollte. Jep, ich blickte ebenso verduzt wie der Leser/die Leserin dieser Zeilen.

(c) Wijld Instagram Account

Doch tatsächlich war es einige Monate später soweit – ein Päckchen mit einem grauen Shirt lag in der Post. Dem einfachen Hemd ist nicht anzusehen, was in ihm steckt. Es sieht wie ein x-beliebiges T-Shirt aus dem Regal aus. Ist es natürlich nicht. Was hier zum Kickstarter Preis von rund 20€ (jetzt im Verkauf um 29,90 erhältlich) ins Haus flatterte, hat es in sich.

Zwei Drittel Holzfaser und ein Drittel Bio Baumwolle. Überraschenderweise fühlt sich der Stoff auf der Haut recht weich, leicht und luftig an. Dazu wird es in Europa (genauer gesagt in Portugal) gefertigt und – superangenehm – verzichtet auf eingenähnte Zettelchen. Die notwendigen Infos werden auf das Shirt gedruckt und reiben daher nicht auf der blossen Haut.

Warum sich ein T-Shirts aus Holz so gut trägt
(c) Wijld Homepage

Von der Größe her, passt das L (slim) fantastisch – mein Standard liegt zwischen M und L. M liegt sonst gut an, ist aber meist am Rücken zu kurz, da passt L besser, dafür ist aber dann sonst mehr Platz zwischen Textil und Haut.

Nach zwei Jahren intensiven Gebrauchs (ca. alle 10 Tage in der Wäsche) inklusive der Nutzung im Fitness Center, hat es immer noch Form und Farbe. Lustigerweise gibt es ein paar Stellen im Schulterbereich, wo sich eine Schattierung zeigt. Ich habe keine Idee woher diese kommt, sie stört mich auch überhaupt nicht.

Was Wijld mit einer T-Shirt Kampagne auf Kickstarter begonnen hat, ist mittlerweile zu einem recht umfangreichen Sortiment angewachsen: Basic (= Rundhals) Shirts, V-Neck Shirts, Sweaters & Pullies, Longsleeves und Sport Shirts. Die letztgenannten bestehen aus Holzfaser und recycelten Plastikflaschen, die zu Fasern verarbeitet werden. Damit wird die Strapazierfähigkeit noch weiter erhöht und dastypische Funktionskleidungsfeeling erreicht.

Bezugsquellen:
Die Woodshirts von Wijld sind online erhältlich. Zu einer Bestellung wird vom Team auch je ein Baum gepflanzt. Das ist eine nette Idee zum Thema Nachhaltigkeit und eine coole Geste bei ihrem Geschäftsmodell. Angenehm finde ich die Möglichkeit auch ohne Konto eine Bestellung online abschliessen zu können. Soviel Respekt vor KundInnen-Daten wünsche ich mir auch von anderen Shops.

Lady White Co_Nachhaltige Basics

(c) Lady White Co Instagram Account

Lady White Co startete mit dem einfachsten aller Kleidungsstücke – dem T-Shirt. Kombiniert mit einer einfachen Prämisse: von der Baumwolle bis zum Endprodukt soll alles in den USA gefertigt werden. Simple Message, simple Kernaussage. Und damit schon halb erfolgreich.

Die andere Hälfte des Erfolges (schliesslich wurde die Kollektion um Pullover, Jogginghosen, Poloshirts erweitert) ist die hohe Qualität der Shirts. Ich habe meine zwei Stück bei einem USA Aufenthalt erworben und seitdem mindestens einmal pro Woche in Gebrauch, kann also sagen, dass sie immer noch fast wie neu wirken und sich auch so anfühlen.

Ich habe sie bewusst körperbetont gekauft, weil ich sie eher als unterster Layer tragen wollte – eine Aufgabe, die sie mit den Merz B. Schwanen gemeinsam haben. Im Vergleich zu diesen, ist die Größe M etwas enger als die Merz Größe 6, der Stoff etwas steifer (nach dem Waschen) und beide halten ihre Formen über die Jahre.

Es sind halt die klassischen T-Shirts, im ersten Moment nichts besonderes. Aber die Haltbarkeit und das angenehme Tragen sind eben so viel mehr wert, als der Aufpreis zu einem 10 Euro Shirt vom Diskonter, das eventuell unter widrigsten Umständen zusammengenäht wurde. Als Europäer mag ich darum die Merz B Schwanen aus Deutschland etwas lieber als die Lady White Co, aber sollte sich die Gelegenheit ergeben, kaufe ich auch diese wieder.

Bezugsquellen:
Vor allem in den größeren Städten der USA in einschlägigen Heritage Shops erhältlich, gibt es meines Wissens keinen Laden in Österreich, der die Lady White Co führt. Klar kann man im offiziellen Webshop bestellen, wer sich aber die ganze Einfuhrsteuer/Zoll Geschichte sparen will, der besucht den deutschen Webshop von Cultizm. Die Jungs und Mädels kennen ihre Produkte und helfen auch bei den Größen super rasch weiter.

Seldom_Nachhaltige Mode

(c) Seldom Webseite

Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wann ich den ersten Seldom Pullover erhalten habe – vermutlich irgendwann bei einem Aufenthalt in Deutschland. Denn daher stammen die Pullover, die nahtlos rundgestrickten aus Merino Wolle, die wiederrum GOTS zertifizierten Ursprungs ist. Die Garne werden in Italien und Österreich hergestellt, also beschränken sich auch die Transportwege auf das mehr oder weniger angrenzende Gebiet in Europa.

Diese und andere Fakten – wie zB. dass der Gründer das Unternehmen mal verkaufte und dann wieder zurück kaufte – lassen sich schnell auf der Unternehmenswebseite nachlesen, die zugegebenermassen mit Suchmaschinen nicht so rasch auffindbar ist. Viel wichtiger sind die Qualitäten der Pullover. Die haben es tatsächlich in sich.

(c) Seldom Instagram Account

Genau diese Kapuzenpullis liebe ich – mit den zwei Farben ergeben sich tolle Kombinationsmöglichkeiten, wobei durch die natürlichen Rohstoffe die Farben meist neutral gedeckt sind. Wer schrille Muster und grelle Paletten sucht, ist hier sowieso falsch. Zurück zu den Eigenschaften: die Merino Wolle bzw. die Gemische (manchmal Leinen oder andere Naturstoffe) machen die Pullover zu weichen, anschmiegsamen Kleidungsstücken. Kein Kratzen, kein Scheuern, nur leichtes, warmes Eingehüllt sein. Die Kapuzen lernte ich beim Fliegen zu schätzen, denn von irgendwo bläst im Flugzeug immer ein Luftstrom. Kapuze auf, Kopfhörer rein und entspannen.

Die gleichen Eigenschaften finden sich bei den „normalen“ Pullovern. Wenn „Made in Germany“ ein wichtiges Kaufkriterium ist, dann achtet bei den Seldom Pullovern auf Nähte – die Kollektion wird nämlich durch Stücke aus Ungarn erweitert, erkennbar an den Seitennähten, denn die Rundstrick Teile kommen eben aus Deutschland.

Bezugsquellen:
In Österreich schwierig zu finden, das Manufaktum in Wien am Hof führt die Marke, hat aber normalerweise nur eine kleine Auswahl. Laut Seldom Webseite sollte auch der Stepanek am Kärntner Ring die Waren haben, leider war ich noch nicht dort. Auch Helmut Eder in Kitzbühel und Haftton in Salzburg sind angeführt.

Wenn Ihr tatsächlich ein Seldom Teil kaufen wollt und online bestellt, macht das bei dem kleinen feinen Laden in Berlin, bei fein und ripp. Die Jungs haben mich bislang toll beraten und mein erster Pulli aus ihrem Shop wurde mir in den USA geklaut. Schade. Aber Ersatz war schnell geschickt. Ansonsten gibt es Seldom in so ziemlich jeder größeren Stadt in Deutschland vor Ort. Checkt mal die Händlerkarte auf der Webseite.

Reigning Champ_Nachhaltige Mode

Der Instagram Account von Reigning Champ zeigt durch das Arrangement der Produkte auf den Bildern ziemlich klar, wohin die Reise geht:

Respect the details. Master simplicity.

(c) Reigning Champ Webseite

Massive Schwarz-Weiss Töne betonen die wenigen farbigen Akzente im Fotostream des Instagram Netzwerks. Klare Linien, Fokus auf weniges tragen dazu bei, dass der Look sehr straight und clean wirkt.

Damit setzen die Verantwortlichen von Reigning Champ digital genau das Prinzip fort, das die Produkte ausmacht – Einfachheit und Funktionalität. Dazu kommt bei den Teilen der „Core“ Linie auch das „made in Canada“ in einer Qualität, die erstaunlich hohe Level erreicht.

Beim ersten Blick meint man, die Pants und Pullover schon tausendmal gesehen zu haben, aber wenn man ein T-Shirt haptisch erforscht, dann merkt man den Unterschied sofort – mich hat die kräftige, dick gewebte Baumwolle, die dennoch weich und schmeichelnd ist, sofort überzeugt. Wie andere Premium Shirts verzieht sich hier nichts, die Farben sind immer noch kräftig wie am ersten Tag und ich trage dieses Shirt oft und gerne.

Es gibt nicht nur die „Core“ Versionen sondern auch „Performance“ und natürlich Kollaborationen mit diversen anderen Marken. Hier jedoch obacht, nicht jedes Produkt wird dann in Kanada gefertigt sondern kommt dann schon mal aus einer chinesischen Textilfabrik. Darum wie immer – Augen auf vor dem Kauf.

Bezugsquellen:
Eine kleine Auswahl hat in Wien der E35 Shop vorrätig. Einfach mal vorbei schauen und sich überzeugen, dass diese Teile schon was sehr spezielles sind. Eine ähnliche Auswahl bietet BSTN in Berlin.

Natürlich bietet der Reigning Champ Webstore alle Versionen und Varianten an – aber nicht vergessen: bei Bestellungen aus Kanada kommen noch Einfuhrsteuer und Zoll dazu. Noch in der EU und damit etwas einfacher im Versand bietet sich END in Grossbritannien einen Online Shop mit den kanadischen Teilen an.

Fleurs de Bagne_Nachhaltige Mode

Auf Deutsch sind es „die Blumen des Gefängnisses“, welche als Motive Eingang in die Kollektionen von Fleurs de Bagne finden. Denn diese Blumen sind historische Tattoos aus einer Zeit, als diese Kunst auf der Haut bei Matrosen und eben Häftlingen zu finden war.

Inspiriert von den Schriftzügen, den ungelenken aber doch ansprechenden Bildern realisierte Mika zunächst nur den ersten Schritt – T-Shirts. Diese sollten aber nicht billige Ware aus China sein sondern der stolze Franzose besann sich auf das reiche Erbe der Handwerker in der Texilindustrie seines Landes.

So stehen die Rundstrickmaschinen in St. Antoine Cumond und die Shirts werden in Marseille und Chatillion S/Indre gefertigt und in Marne la Vallée verpackt und versendet. Das Sortiment ist über die Jahre gewachsen. Pullover, Jacken, Mütze und Hosen sind dazu gekommen.

Nicht abhanden gekommen sind Mika die Ideen und Motive. Sein Facebook Account zeigt die Vorbilder und inspirierenden verblichenen Fotos. Was auch nicht verloren ging ist die Rauheit der Stücke. Meine T-Shirts sind auch nach Jahren der Nutzung noch dicke, feste Baumwolle, ein ganz anderes Tragegefühl als bei „normalen“ Shirts. Dabei nicht unangenehm, aber doch schützend fest.

Le Pull "MARTYR MILITAIRE"
(c) fleur de bagne Webseite/Shop

Das gilt auch für den Armee- Pullover – gefühlter Weise ertrinke ich mit diesem Teil, sollte ich in einen Fluss oder See fallen. Schwer und engmaschig ist er meine Wahl für die wirklich kalten Wintertage – und die Stunden am Christkindlmarkt.

Neben den eigenen Kreationen tauchen in unregelmäßigen Abständen auch Kollaborationen auf – mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Auswüchsen. Das geht vom klassischen T-Shirt Design über Schmuckstücke bis hin zu Jacken nach historischem Vorbild.

Tatsächlich sind die Fleurs de Bagne Stücke preislich gut aufgestellt. Nicht wahnsinnig teuer (im Vergleich zu so mancher Designerware) aber auch nicht unbedingt günstig aber billig auf keinen Fall. Denn meine T-Shirts halten immer noch die Form und auch die Motive sind wie am ersten Tag gut erkennbar und bei weitem nicht ausgedünnt oder verblichen. Dazu kommt noch, dass die Herstellung in Frankreich dort Arbeitsplätze sichert und Menschen vernünftig bezahlt werden.

Bezugsquellen:
In Wien gab es mal die Möglicheit Fleurs de Bagne im LowDown in Denim zu erhalten, aber den Laden gibt es leider nicht mehr. So bleibt nur die Reise nach Deutschland – diverse Heritage Läden führen die Marke dort. Oder gleich online bestellen im Fleurs de Bagne Shop.

Für das echte französische Feeling muss man vermutlich direkt bei Mika einkaufen. Ja, seit ein, zwei Jahren schon gibt es in Aix-en-Provence ein Geschäftslokal. Irgendwann werde auch ich mal dort vorbei kommen.

Merz B. Schwanen_Nachhaltige Mode

Klingt dieser Name vertraut? „Merz B. Schwanen“? Wohl eher nicht. Viel vertrauter klingt „Made in Germany“, aber gibt es das bei Textilprodukten noch?

Natürlich hat sich viel geändert, seit Deutschland (oder auch Österreich) eine lebendige und vielfältige Textilindustrie hatte. Die Globalisierung, die billigen Lohnkosten in Übersee, die technologischen Fortschritte und Massenproduktion für wenig Geld waren wohl ausschlagende Faktoren. Und dennoch… dennoch gibt es sie. Die Träumer, die Idealisten, die Erben.

So auch Peter Plotnicki – schon als Designer mit Mode vetraut, aber diese Geschichte hätte er wohl nicht erträumt. Ein Flohmarktfund soll es gewesen sein, der das erste Stück auf dem Weg markiert, ein Unterhemd ohne Nähte, mit einem Label in deutscher Sprache. Die Recherchen führten von Berlin in die Schwäbische Alb, einem der ehemaligen Zentren der Textilherstellung. Dort hatten sie überlebt, ungenutzt und verstaubt aber komplett und intakt, die Rundstrickmaschinen aus den 60er Jahren.

Heute rattern sie wieder und produzieren T-Shirts ohne Nähte – rundgestrickt und in unterschiedlichen Stilen – angelehnt an das Erbe der Vergangenheit. Sweaters und Hoodies, Socken und Strickwaren. Sie sind wieder da, produziert und hergestellt in Deutschland, natürlich nicht zu den Preisen vom Diskonter, aber dennoch erschwinglich und leistbar. Die Shirts beginnen in der 45 Euro Region – das zahlt man wohl auch für China Ware mit „Designernamen“, das bereits in der nächste Saison nicht mehr passt.

Meine Merz B. Schwanen Shirts haben einige Waschgänge überlebt. Sind sie ohne Fehler? Nein, natürlich nicht. So ist bei einem T-Shirt der untere Saum nicht ganz einwandfrei und eines der Henleys dreht sich zu einer Seite, aber bislang stören mich diese Kleinigkeiten nicht. Es sind Zeichen des Gebrauchs, des Nutzens und die Erinnerung, dass Menschen diese Teile geschaffen haben.

(c) by Merz B Schwanen Instagram Account

Merz B. Schwanen ist eine Marke gewesen und als solche wieder mit einer tollen Geschichte aufgetaucht. Es sind die Geschichten und die Menschen, die mit Leidenschaft diese erzählen, die vergangenes zurück bringen und neu erstrahlen lassen.

Bezugsquellen:
In Wien geht man am besten zu Arnolds in die Westbahnstrasse, nette Jungs und gute Beratung sowie eine Menge anderes tolles Gewand wartet dort. Anonsten ist das Manufactum in der Innenstadt noch eine Möglichkeit.
Grazer*innen werden im Sunset Star fünding oder bestellen wie alle anderen im Online Shop auf der Merz B. Schwanen Seite. Als weiteren Online Store kann ich cultizm.com empfehlen, hier gibt es auch immer wieder gute Angebote (und versenden rasch aus Deutschland).

Blackhorse Lane Atelier_Nachhaltige Mode

(C) Blackhorse Lane Twitter Account

Ein Trip nach London führte zu einer der besten Jeans, die ich derzeit besitze. Denn natürlich interessierte mich, welche Produkte aus der englischen Hauptstadt meinen Kleiderkasten erweitern könnten.

In meiner Recherche fand ich dann recht schnell die Blackhorse Lane Ateliers. Ein Label, das Jeans in London direkt vor Ort fertigt. Damals noch mit einem kleinen netten Laden in Shoreditch, der leider nun geschlossen ist. Mit einem engagierten Mitarbeiter names David, der leider auch nicht mehr dort arbeitet. Schade – aber der Grundgedanke ist immer noch am Leben: Jeans aus einwandfreiem Denim in London herzustellen, den Mitarbeiter*innen faire Bedingungen zu bieten und dann auch noch zu überleben. Das schafft BLA mittlerweile recht gut, sieht man sich die umtriebigen Events und Veranstaltungen an, bei denen sie dabei sind.

Als einziges Label, das die Hosen in London fertigt, hat man auch ein tolles Alleinstellungsmerkmal – und der Stil ist auch großartig. Ich habe mir „E5“ Jeans mitgenommen – eine der bequemsten Hosen, die ich liebend gerne trage.

Meine Beste hat auch ein Modell gefunden, mit der tollen Geschichte inklusive: BLA veranstaltet(e) Workshops, in denen Menschen ihre eigenen Denims selber nähen können (also self-made-Mass Jeans). Dabei haben die Mitarbeiter*innen festgestellt, dass Frauen den Schnitt immer etwas anders ändern, damit die Hosen im Bund gut passen. Diese Änderungen haben sie dann selbst in ihre Modelle übernommen und damit eine der perfektesten Jeans für weibliche Hüften geschaffen.

Apropos Mitarbeiter’innen – mittlerweile kann man die Produktionsstätte besuchen und den Menschen dort über die Schulter schauen, wie sie täglich an den Nähmaschinen neue Stücke erschaffen. Dabei gibts auch eine örtliche Bäckerei und sowieso großartige Gespräche mit den Locals. Für jeden Denimhead ein „must see“ in der großartigen Hauptstadt des United Kingdoms.

Bezugsquellen:
Erhältlich sind Blackhorse Lane Stücke entweder in der Fabrik oder im eigenen Shop in London oder online über den Webshop. Tipp: hinfahren, ansehen, einkaufen. Es ist ein Erlebnis. Preislich auch unheimlich gut positioniert – denkt man daran, wie hoch das Lohnniveau in England derzeit ist. Da hilft der jetzige Pfund Kurs und die Brexit Debatten für Reisende aus dem EU Raum.