FRÜHLINGSMOND_von_Hatzfeld_A.


Noch hängt ein scheues Vogellied im dünnen Laubgeäste
Und wird ein großer Wind. Mit mächtiger Gebärde
Stößt die Erde, die längst den heißen Saft
In Millionen Samenkörner preßte,
Geburten aus in Mutterleidenschaft
Und trägt den ewigen Rhythmus ihrer Riesenkraft,
Die ewige Not, zum Jubel eines ewigeren Werde.

Jetzt bäumen Meere ihre Pantherleiber.
Die Sterne stürzen zum Planetenball.
In diesen Nächten stöhnen tausend Weiber
Und werfen tausend Kinder in das All.
Der Hochgebirge Wollust sind Lawinen.
Die Quellen sind der Täler Blütenlauf.
Den Duft von Wäldern tragen junge Bienen,
Und Tage tauen blau zu Blumen auf.
Geliebte gehn mit weißen Brüstehügeln
Und einem Lächeln, das von selbst begann,
Durch süße Nächte, gehen wie mit Flügeln
Und tragen sich wie ein Geschenk zum Mann.

Ein scheues Vogellied hängt noch im Laubgeäste.
Vom Horizonte schwebt der junge Mond
Wie eine Knospe, die sich zärtlich schont,[98]
Und horch, der Vogel ruht in seinem Neste.
Der Knospenmond blüht erst zum Sommerfeste.
So schwimmt er sanft auf taubenblauem Dunst.
Der Abend, der die Seelensehnsucht an ihn preßte,
Verheißt uns schon die Rose seiner Gunst.

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