DIE TAUBE_Björnson_B.

Eine Taube sah ich zittern
In eines Sturmwirbels Toben;
Sie ward von Ungewittern
Jäh über die Hochflut gehoben.
Ich hörte sie nicht klagen,
Nicht stöhnen und nicht flehen,—
Die Schwingen fühlt‘ sie versagen,
Da mußte sie untergehen.

GLÜCKLICHES HAUS_Hoffmannsthal_H

Auf einem offenen Altane sang
Ein Greise orgelspielend gegen Himmel,
Indes auf einer Tenne, ihm zu Füßen,
Der schlanke mit dem bärtigen Enkel focht,
Daß durch den reinen Schaft des Oleanders
Ein Zittern aufwärtslief; allein ein Vogel
Still in der Krone blütevollem Schein
Floh nicht und äugte klugen Blicks herab.
Auf dem behauenen Rand des Brunnens aber
Die junge Frau gab ihrem Kind die Brust.

Allein der Wanderer, dem die Straße sich
Entlang der Tenne ums Gemäuer bog,
Warf hinter sich den einen Blick des Fremden
Und trug in sich – gleich jener Abendwolke
Entschwebend, über stillem Fluß und Wald –
Das wundervolle Bild des Friedens fort.

HELLE MITTERNACHT_Whitman_W.

Dies ist deine Stunde, o Seele, die freie Flucht ins Wortlose,
Weg von Büchern, weg von Kunst, der Tag gelöscht, der Unterricht aus,
Hebst du dich völlig empor, schweigend, schauend, deine liebsten Gegenstände betrachtend,
Nacht, Schlaf, Tod und die Sterne.

LEISE RAUSCHT_Falke_G

Das sommerdunkle Laub rings um den Teich.
Ein Sonnenlächeln zittert auf dem Spiegel.
Und horch! Ein Mädchenlachen? Nein, Herz, nein.
Traumstille Einsamkeit nur atmete
Einmal aus ihrem Frieden selig auf.

KRETISCHE ARTEMIS_Rilke_R_M

WIND der Vorgebirge: war nicht ihre
Stirne wie ein lichter Gegenstand?
Glatter Gegenwind der leichten Tiere,
formtest du sie: ihr Gewand

bildend an die unbewußten Brüste
wie ein wechselvolles Vorgefühl?
Während sie, als ob sie alles wüßte,
auf das Fernste zu, geschürzt und kühl,

stürmte mit den Nymphen und den Hunden,
ihren Bogen probend, eingebunden
in den harten hohen Gurt;

manchmal nur aus fremden Siedelungen
angerufen und erzürnt bezwungen
von dem Schreien um Geburt.